Besonderheit des Yiquan

Wang Xiangzhai beim Training
Wang Xiangzhai beim Training

Yiquan: nicht nur Kampfkunst, sondern Entfaltung des gesamten menschlichen Potentials

Yiquan ist eine Kampfkunst — und unzertrennbar damit verbunden ein lang und vielfach erprobtes Gesundheitssystem. Darüber hinaus ist es fest verwurzelt in der traditionellen chinesischen Kultur, vor allem im Denken von Daoismus, Buddhismus und Konfuzianismus

 

Sinn und Zweck des Yiquan ist von daher vor allem den Menschen zu kultivieren, seine eigenen Kräfte und die von Himmel und Erde zu verstehen zu lernen und wie man sie harmonisieren und kultivieren kann. 

Es soll den Menschen als ganzes humanistisch bilden. Dafür ist Gesundheit eine wesentliche Grundvoraussetzung. 

 

Die Kampfkunst als Handwerk ist dabei eine Spezialisierung und Nebenprodukt. Dennoch, wie Eingangs gesagt, ist Yiquan eine Kampfkunst, welche sich durch folgende Besonderheiten auszeichnet.

Einheit von Gesundheitspflege und Kampfkunst

Eine weitere Besonderheit des Yiquan ist, dass Gesundheitspflege und Kampfkunst nicht zwei völlig verschiedene Wege und Trainingsansätze sind, sondern sie haben eine gemeinsame Wurzel. Sie sind ein Baum, mit einer Wurzel, aus der dann zwei Stämme hervorwachsen. Daher kann das Yiquan bis ins hohe Alter trainiert werden und weist wenig bis kaum Verschleisserscheinungen auf, wie man es  in der Regel aus anderen Vollkontaktkampfkünsten kennt.

 

Was ist nun diese gemeinsame Wurzel?

Diese gemeinsame Wurzel ist eine wohlgespannte Ganzkörperbewegung/Ganzkörperkraft (zhengtili, zhengtijin, zhengjin). 

Durch den modernen Alltag ist der Mensch heute meistens sehr einseitig gefordert und belastet. Sei es psychisch oder physisch. Es führt dazu, dass bestimmte Stellen im Körper degenerieren und zu schlaff werden und andere Stellen im Körper, um ein Gleichgewicht zu erhalten, dann überfordert sind und sich immer mehr verspannen und „zu“ machen. Klassisches Beispiel ist die Schreibtischarbeit mit den ganzen Nacken und Rückenproblemen, oder das Burnout-Syndrom (Geistige Überspannung führt zu körperlicher Erschlaffung und Antriebslosigkeit) 

Durch einfache Übungen im Stehen, in Ruhe und Bewegung, versuchen wir systematisch unter Zuhilfenahme von bestimmten Ideen (yi), wieder ein Gefühl für die Gesamtheit des ganzen Körpers zu gewinnen. So werden Stück für Stück die degenerierten Bereiche im Körper aktiviert, wodurch andere Stellen im Körper entlastet werden und entspannen können (durch die Betätigung im Körper wird der Kopf wieder leer). 

Das Ziel ist auf diesem Wege langsam wieder eine gesunde Wohlspannung in Geist und Körper zu etablieren

 

Das ist einerseits das Herz der Gesundheitspflege, andererseits aber auch die unabdingliche Grundlage für eine gute Kampfkunst die auf Dauer zu keinem Gesundheitsverschleiß führt. 

Genesung bei Verletzung; Rehabilitation bei Krankheit

Im Falle von Verletzungen bietet das Yiquan hier auch eine einzigartige Methode schnell wieder zu regenerieren und während der Regenerierungsphase muskulär und mental nicht abzubauen. 

 

 

➤ Diese drei Merkmale machen das Yiquan neben der Kampfkunst zu einer interessanten Methode für jeden Bereich des Hochleistungssports. Die Wirkung des Bewusstseins auf den Körper wird erst heute langsam für den Hochleistungssport entdeckt und kann ein ungeahntes Potential im Menschen freilegen. Das Yiquan bietet hier einen Erfahrungsschatz und eine Methode, welche schon über Generationen hin gesammelt und perfektioniert wurde.

 

Aber auch in Bereichen wie Kunst oder Musik/Gesang kann das Yiquan eine sehr interessante Bereicherung sein.

 

Nicht zuletzt der Bereich der Gesundheitspflege, wo das Yiquan eine sehr lange und erprobte Tradition in China hat.