Die zentrale Achse des Weges der Kampfkünste - Quandao zhongshu (Wang Xiangzhai) Teil 21

Schlusswort

Beim Kampfkunsttraining kommt es nicht nur auf die Trainingsjahre an sich an, die athletischen Fähigkeiten und das Alter, noch viel weniger auf die Anzahl der Techniken, die Geschwindigkeit der Bewegungen und den Platz in der Schülerhierarchie an, sondern darauf, ob man die handwerklichen und wissenschaftlichen Prinzipien und Grundsätze verstanden hat oder nicht. Vor allem muss man schauen, wie jemand seine naturgegebenen Körper-Geist Kräfte einsetzt und ob man echte Kraft entwickeln kann oder nicht. Im weiteren kann man schauen wie es um dasTalent und den Willen steht. Erst dann kann man etwas zu über das Entwicklungspotential sagen und wie weit es jemand evtl. einmal bringen könnte. 

 

Das allerwichtigste beim Kampfkunsttraining ist den Sinn des Trainings zu verstehen und die Körper-Geist Kräfte zu entwickeln. Oder anders herum gesagt, ob jemand echte, solide Kräfte animalischer Natur besitzt. Wenn die Kräfte wirklich entsprechend solide und echt sind, dann können sie weiter kultiviert und zu einem großen Potential von geistiger Klarheit und Leichtigkeit  ausgebildet werden. So ist es nicht mehr schwer in die Tiefe der Kampfkunst vorzudringen, das wesentliche zu verstehen und bis in die höchsten Hallen der Meisterschaft vorzudringen. 

Echte Meisterschaft bedeutet, dass man nicht nur ein tiefes Verständnis auf einem Gebiet hat, sondern auf jedem Gebiet von Handwerk und Wissenschaft sofort einordnen kann wie weit jemand seine Materie durchdrungen hat, ob er auf dem richtigen Weg ist und ob er realistisch ist. Schon an seiner Handlungsweise kann man auf den ersten Blick die Tiefe seiner Fähigkeiten erkennen: ob sie ganzheitlich oder nur partiell sind; ob sie ganzheitlich sind und auch bis in die Feinheiten vorgedrungen sind; wie man eventuelle Schwächen ausgleichen kann? Man wird von ganz alleine mit einem Wort direkt ins Schwarze treffen. Das ist die Bedeutung von Zentrum und Mitte, aus dem heraus man auf alles reagieren kann. 

 

In der Position des Unterrichtenden zu sein bedeutet, jemanden über Ordnung und Zusammenhänge aufzuklären und nicht jemandem irgendwelche Tricks zu zeigen. Noch viel weniger darf man irgendwelche künstlichen Sachen machen. Es ist wichtig, dass der Lernende sich aufmerksam ein Beispiel (am Lehrer) nimmt und danach strebt, das Gelernte über seinen Körper zu verstehen und zu festigen. Dann kann man beobachten, wie sich seine Fertigkeiten entwickeln und wie ausgefeilt das Körper-Geist Zusammenspiel funktioniert. 

 

Alles das was im Text angesprochen wurde hat mit dem Sinn der Kampfkunst zu tun. Kampfkunst ist dabei nichts anderes als das was man in seiner Brust trägt. Man kann auch sagen, man muss es mit Herz und Verstand erfassen und mit seinem Körper verstehen und festigen. Kampfkunst hat in diesem Sinne nichts mit dem allgemeinen Verständnis in der Gesellschaft davon zu tun. 

 

(Übersetzung direkt aus dem chinesischen Original von Benjamin Witt.

Bei Verwendung bitte Quellenangabe mit Verweis auf diese Seite. Vielen Dank. 

Benjamin Witt)

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