Die zentrale Achse des Weges der Kampfkünste - Quandao zhongshu (Wang Xiangzhai) Teil 11

6. Über den Gebrauch von Geist und Bewusstsein (Idee)

Das wichtigste beim Stehen unter dem Kampfkunst Aspekt ist, in einer ganzheitlichen aber äusserst lebendigen Wohlspannung zu sein, dass die Geisteskräfte den ganzen Körper ausfüllen. 

Die geistige Absicht dabei ist wie ein im Nebel verborgener Panther, während das Bewusstsein sich (mit dem Gegenüber) zu einer Einheit verbindet (wie das mythische Rhinozeros); man besitzt die Wildheit entfesselter Pferde und die Wucht eines zischenden, beissenden Drachens. 

Der Scheitel bewegt sich nach oben, so dass sich der Nacken aufrichtet. Gleichzeitig zieht sich das Zentrum der Aussenstellen des Körpers (Scheitel, Handflächen und Fusssohlen) innerlich zusammen. Der ganze Körper spannt sich auf, als ob er von allen Seiten mit der Aussenwelt (durch imaginäre Seile) verbunden wäre. Die Zehen krallen den Boden und die Knie haben sowohl eine nach aussen drückende als auch eine nach innen umarmende Kraft die nach oben geht, wobei sich die Fersen leicht heben. Das ganze (fühlt sich an) ist wie ein gewaltiger Tornado, der Bäume entwurzelt; man kommt sich vor als ob man sich in einer spiralförmig schwingenden Bewegung von der Erde losreissen wollte um fortzufliegen. 

 

Konkret bedeutet das, dass sich aufspannende und zusammenziehende, bündelnde und auseinander gehende Kräfte entfalten, so als ob sich die Haare am ganzen Körper wie Speerspitzen aufstellen. Die vertikale Achse im Körper verwindet sich nach allen Seiten (unter dieser Kraft) und die Zentrumslinie weitet sich im Quadrat (d.h. um ein vielfaches nach aussen). Das wichtige bei dieser herausreissenden Kraft ist, dass man mit Himmel und Erde darum ringt.

Der Schulterbereich und die Ellbogen spannen sich auf und weiten sich nach aussen und haben doch eine zurückkehrende bündelnde Kraft, die in einer herausreissenden unendlichen Spirale wirkt. Auf und ab, drücken und umarmen, alles bedingt sich gegenseitig und nie darf dabei die Ausgeglichenheit und Ganzheit der Kräfte verloren gehen. Egal ob man mit den Fingerspitzen in etwas hineinsticht oder links und rechts (mit seinen Fingerspitzen) etwas herausreisst; egal ob mit den Händen von innen nach aussen zu gehen oder etwas von aussen nach innen einzuwickeln, man hat immer das Gefühl die Berge mit der ganzen Erdkugel zusammen zu bewegen. Sehnen und Muskeln sind voller Kraft und die Knochen sind wie scharfe Kanten. 

 

Konkret bedeutet das, dass wenn man sich sammelt (bündelt) schon an die Bewegung (nach aussen) denken muss; einsaugen und wieder ausspucken, egal in welcher Richtung sich die Kräfte bewegen. Die Schultern öffnen und schliessen sich ganz unabhängig davon ob es querverlaufend rollende, drückend reibende oder hebend spiralförmige Kräfte sind. Die Haare am ganzen Körper stellen sich wie ein Urwald auf; der obere Rücken richtet sich auf und der untere wird gerade; der Bauchbereich füllt sich und wird rund und der Brustbereich wird leicht zurück genommen (bzw. wölbt sich leicht). 

Setzt man sich in Bewegung ist es wie ein Tiger in Rage der aus dem Wald kommt; der durch die Berge streift und kurz vor einem Sprung steht. Der ganze Körper ist wie eine äussert lebendige (wie eine mythische) Schlange die plötzlich zuckt; wie Feuer, dass plötzlich den ganzen Körper entflammt; oder auch eine Ausstrahlung wie ein schlummernder Drache der plötzlich wie vom Blitz getroffen hoch schiesst. 

Dabei muss man das aufwallen der Muskeln und Sehnen spüren, so dass die Kraft wie Schiesspulver ist und die Hände wie Patronen sind. Nimmt der Geist auch nur die geringste Bewegung war kann der Vogel nicht mehr davon fliegen, fast so, als ob einem dabei eine größere Kraft zu Hilfe kommen würde. Daher, sobald einem etwas in die Quere kommt und Geist und Bewusstsein damit in Kontakt treten, ist es wie ein Netz, dass den ganzen Himmel umfasst und aus dem nichts mehr entkommen kann; wie ein Donner, der alles erschüttert oder wie wenn sich Frost wie ein Schuppenpanzer über Gras und Büsche legt und diese sich in Ehrfurcht beugen. 

 

Die Geschwindigkeit mit der (eine Reaktion) ausgelöst wird kann dabei kaum noch mit einem Bild umschrieben werden. Deswegen habe ich diese Form von Geist- Bewustseinsbewegung als eine Bewegung bezeichnet, welche (die normale Form von) Geschwindigkeit übersteigt. Was diese Form und dieser Grad von Geschwindigkeit angeht, so übersteigt sie einfach alles was man sich an Geschwindigkeit vorstellen kann. 

 

Alles was ich oben gesagt habe, hört sich ziemlich abstrakt an. Jedoch muss man mit seinen Geisteskräften danach streben es konkret zum Ausdruck zu bringen um zu vermeiden dass es nur reine Phantasterei ist.

 

(Übersetzung direkt aus dem chinesischen Original von Benjamin Witt.

Bei Verwendung bitte Quellenangabe mit Verweis auf diese Seite. Vielen Dank. 

Benjamin Witt)

 

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