Die zentrale Achse des Weges der Kampfkünste - Quandao zhongshu (Wang Xiangzhai) Teil 9

4. Selbstverteidigung

Selbstverteidigung bedeutet nichts anderes als Kampfkunst. Man muss verstehen, dass große Bewegung schlechter ist als kleine Bewegung und kleine Bewegung schlechter ist als gar keine Bewegung. Der springende Punkt ist zu verstehen, dass in der Bewegungslosigkeit erst die immer neu entspringende Bewegung entsteht. Es ist so wie ein Maschinenrad oder ein Kreisel mit dem Kinder spielen. Wenn er sich mit äusserster Geschwindigkeit dreht hat man fast das Gefühl er würde sich gar nicht drehen. Wenn man ihn (Kreisel) weiter beobachtet und sehen kann wie er sich dreht, ist er schon wieder an dem Punkt wo er sich bald nicht mehr drehen wird. Das ist dann schon Ausdruck der Kraftlosigkeit. Das ist die Bedeutung davon, dass die Bewegung der Bewegungslosigkeit schneller ist als Bewegung und Bewegung in äusserster Geschwindigkeit so erscheint als ob sie Bewegungslos sei. Ruhe und Bewegung: beides bedingt sich. 

 

Der springende Punkt in der Anwendung besteht vor allem in der Kontrolle durch die Nervenleitbahnen, der leitenden Rolle der Idee und der elastischen Kraft des Atems, der Stabilität der Zentrumsachse, der Umlenkung der Wegstrecke und der Veränderung des Schwerpunktes. 

Wenn man die oben genannten Grundprinzipien in der richtigen Weise zur Anwendung bringt, dann hat man schon eine gute Grundlage für die Kampfkunst. 

 

Man muss sich aber auch die Gewohnheit aneignen, im Alltag in jedem Moment und an jedem beliebigen Ort, bei jeglicher Bewegung die man vollzieht, immer gesammelt in sich bereit zu sein um einem auslösenden Reiz mit einer Reaktion zu begegnen. Der springende Punkt dabei ist, dass im Verweilen in der lebendigen Offenheit sich eine unendliche Weite von Wahrnehmung auftut. Das ist es was es so wertvoll macht. 

 

Was nun für den Übenden das Lernen bestimmter Anwendungstechniken angeht, obwohl es eigentlich gar nicht wert ist dem tiefergehend nachzugehen, scheint es doch so zu sein, dass es (für die meisten) eine unumgänglicher Prozess ist den man durchlaufen muss. 

 

Ist der Gegner steif und angespannt und hat einen klar erkennbaren Bewegungsschwerpunkt, dann erübrigt es sich eigentlich darüber zu schreiben. 

Wenn aber die Bewegungen sehr schnell sind und der Körper ständig in Bewegung ist wie ein flinker Affe, dann muss man noch nicht einmal darüber reden ob dieser verschiedene Kraftqualitäten zum Einsatz bringen kann, denn schon allein durch die Schnelligkeit der Bewegungen wird es für die meisten schwer sein etwas entgegensetzen zu können. 

Deswegen sollte man sich im Alltag auch immer wieder Gedanken über Anwendungstechniken machen. 

Beim Training dieser ist erst einmal wichtig, dass der Unterleib ausgefüllt ist und der gesamte Gesäßbereich eine solide Kraft hat. Kopf, Hände, Schultern, Ellbogen, Hüften, Knie und Füße haben alle ihre Anwendung. 

Was nun das hebende Schlagen, hakende Schlagen, drückende Schlagen, aufhängende Schlagen, sägende Schlagen, bohrende Schlagen, reibende Schlagen, wischende Schlagen, überlappende Schlagen, einwickelnde Schlagen, stampfende Schlagen, abschneidende Schlagen, blockierende Schlagen, pressende Schlagen, ableitende Schlagen, rollende Schlagen, abstützende Schlagen, gleitende Schlagen, haftende Schlagen, im Kreisschritt Schlagen, einsaugend im Vorwärtsschritt Schlagen, im Vorwärtsschritt Schlagen, im Rückschritt Schlagen, selbe Hand selbes Bein Schlagen, über Kreuz Schlagen, im ganzen Schritt Schlagen, mit halbem Schritt Schlagen, von der Seite gerade Schlagen, Frontal seitlich Schlagen, mit dem ganzen Körper teilweise Schlagen, mit Teilen des Körpers ganzheitlich Schlagen, hoch oder runter einwickelnd Schlagen, links oder rechts führend Schlagen, innen oder aussen führend Schlagen, vor oder zurück kreisend Schlagen, die Kraft bricht ab die Wahrnehmung bleibt verbunden und die Wahrnehmung bricht ab aber der Geist bleibt verbunden, an der Grenze zur Bewegung zu sein und sich noch nicht bewegen und alle Formen von Antäuschung: obwohl das alles nur nur partielle (Techniken) sind, ist es auch nicht einfach umzusetzen wenn man es nicht in der konkreten Anwendung trainiert. 

Dennoch, all das ist eine mindere Form des Könnens. Jemand der mit echtem Verständnis begabt ist braucht das alles nicht zu lernen.

 

(Übersetzung direkt aus dem chinesischen Original von Benjamin Witt.

Bei Verwendung bitte Quellenangabe mit Verweis auf diese Seite. Vielen Dank. 

Benjamin Witt)

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