Zentrale Achse des Weges der Kampfkünste - Quandao zhongshu (Wang Xiangzhai) Teil 3

Über Gebote und Grundsätze

Der Weg der Kampfkünste soll nicht nur den Körper trainieren, sondern er trägt noch eine andere wichtige Bedeutung. Was die Tradition angeht so legt man als erstes grossen wert auf das entwickeln der Tugendkräfte. Es sind die klassischen Gebote wie seine Eltern ehren, Ältere achten, den Lehrer wertschätzen, treue zu Freunden, Nächstenliebe und noch andere an die man sich halten soll. 

Darüber hinaus ist es von großer Wichtigkeit mit Herzlichkeit und Aufrichtigkeit ein starkes Rückgrat und weites Herz zu entwickeln, sowie die Ambition zu hegen sich für andere Einzusetzen. Wenn dies nicht gegeben ist, dann ist das nicht die beste Voraussetzung für einen Kampfkünstler.

 

 Vor allem aber was Qualitäten wie eine starke und tiefe Ausstrahlung, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen, Empathie, sowie Scharfsinnigkeit und Mutigkeit angeht, sind dies wichtige grundlegende Anforderungen die ein Schüler mitbringen sollte. Ansonsten befürchte ich wird es schwer sein das Überlieferte zu verstehen. Selbst wenn man es so weitergibt wird es schwer sein zur eigentlichen Essenz durchzudringen. Deswegen haben unsere Vorfahren einen Anwärter immer mit sehr großer Bedachtheit ausgewählt. Das liegt wohl daran, dass wirklich talentierte Menschen nur sehr schwer zu finden sind und man niemand leichtfertig in seine Reihen aufnehmen wollte. 

 

Was nun die Unterrichtssystematik anging, so sind die 4 Erscheinungen und 5 Anforderungen die Grundlage für alle. Das sind einmal: aufgerichteter Kopf, ausgerichtete Augen, ernsthafter Geist und ruhige Stimme.

Dann ging man weiter und erklärte die Zeichen der 5 Anforderungen: Aufrichtigkeit, Besonnenheit, Sinn-Idee,  Echtheit und Harmonie. Ich werde nun hier das Reimgedicht über die 5 Anforderungen niederschreiben um deren Inhalt zu verdeutlichen:

 

Entschliesst man sich Kampfkunst zu erlernen,

ist das wichtigste zunächst Respekt seinen Eltern und Lehrern gegenüber;

Loyalität und Aufrichtigkeit ist das wichtigste unter Freunden,

Tugendkräfte der Kampfkunst soll man bedacht folgen.

 

In Bewegung ist man wie Drache und Tiger,

in Ruhe strahlt man das Herz eines Buddha aus.

 

Gedanken soll man besonnen zum Ausdruck bringen,

so, als ob man sich mit einem wichtigen Gast austauscht. 

 

Ist man Aufrichtig so ist der Geist auch nicht zerstreut,

Besonnen als ob man vor einem großen Abgrund steht.

 

Unauslotbar tiefe Ideen zur Hilfe nehmend,

füllen sie die Kräfte den ganzen Körperkräfte aus.

 

Im Abstrakten muss man nach konkreter Echtheit streben,

und darf dabei nicht seine harmonisch austarierte, ganzheitliche Mitte verlieren. 

 

Das Kraftgefühl ist wie von Strom durchdrungen,

und das gelernte muss immer weiter vertieft werden.

 

Die Stimme kommt tief aus dem Innern,

wie der Laut eines Drachen.

 

Aufrichtigkeit, Besonnenheit, Sinn-Idee, Echtheit und Harmonie,

diese 5 Anforderungen sind mit diesem Gedicht dargestellt.

 

Wenn die Wesens-Natur zum Vorschein kommt und man das Prinzip verstanden hat,

dann muss man die Richtung ändern und ausserhalb des Körpers weitersuchen.

 

Man soll sich nicht von Methoden und Theorien einengen lassen,

und schon gar nicht sein Leben lang immer nur andere studieren. 

 

(Übersetzung direkt aus dem chinesischen Original von Benjamin Witt.

Bei Verwendung bitte Quellenangabe mit Verweis auf diese Seite. Vielen Dank. 

Benjamin Witt)

 

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